Aufbau eines Kletterschuhs

Mittlerweile gibt es eine wahre Vielfalt an verschiedenen Kletterschuhen. Alle sehen recht unterschiedlich aus, haben aber dennoch einiges gemeinsam – sie bestehen aus einem Schaft und einer Sohle. Die meisten Kletterschuhe werden im Slip Last-Verfahren  hergestellt. Das bedeutet, dass der Schaft (4) erst aus Obermaterial (wie Leder, Cordura, Lorica oder andere künstliche Ledersorten) genäht wird, dann über einen Leisten (Schuhform aus Holz oder Plastik) gezogen wird, um anschliessend mit dem Gummi versehen zu werden. Anschliessend wird der fertige Schuh vom Leisten gezogen und weiter bearbeitet.

Der Leisten eines Kletterschuhes

Aufbau eines Kletterschuhes

Die Sohle (9) der Kletterschuhe ist glatt geschliffen und besteht aus einem sehr reibungsstarken Gummi. Die Sohle wird nach dem Aufkleben auf den Oberschuh an der Kante geschliffen. So entsteht die scharfe Sohlenkante, welche beim Stehen auf kleinen Leisten große Vorteile mit sich bringt. Unter der Sohle verbirgt sich fast immer eine Zwischensohle. Diese Zwischensohle verleiht dem Kletterschuh an den gewollten Stellen eine entsprechende Festigkeit und Steifheit. So verwenden manche Hersteller im Vorfußbereich eine harte Zwischensohle aus TPU (technischen Polyurethan), so dass der Schuh vorne sehr steif ist und im hinteren Bereich nur eine Zwischensohle aus Textilmaterial, was den Schuh hier sehr flexibel macht. Die Zwischensohle bringt daher zusammen mit der Vorspannung (8) die nötige Unterstützung für die Fußmuskulatur. Um im Überhang besser mit den Zehen greifen zu können, haben moderne Performance Kletterschuhe einen Downturn (14), der Kletterschuh ist also im Vorfussbereich nach unten gebogen.

Ein Querschnitt des Kletterschuhes zeigt sie einzelnen Bauteile sehr schön

Jeder Kletterschuh hat einen Randgummi (1) – dieses Gummiband umspannt entweder den gesamten Schuh oder zumindest den vorderen Teil. Die Aufgaben des Randstreifen sind:

  • Die Form des Schuhes soll auch nach Dehnung des Leders etwas erhalten werden.
  • Wenn die Schuhe sehr klein gekauft werden hält der Randstreifen die Zehen fest zusammen und ermöglicht so eine gute Kraftübertragung auf den Tritt.
  • Des Weiteren kommt dem Randstreifen auch eine Schutzfunktion des Obermaterials zu.

Die Ferse (7) ist bei modernen Kletterschuhe teilweise oder voll gummiert (13) und mit einem Gummiband dem sogenannten “Slingshot-Rand” umspannt. Dieser erzeugt Druck nach vorne und sorgt für Kraft in der Schuhspitze. Je nach dem wie straff dieses Band gespannt ist, desto stärker fällt auch die Vorspannung der Ferse (6) und auch der Druck auf die Achillessehne aus. Bei Einsteiger-Kletterschuhen wird auf eine große Fersen-Vorspannung eher verzichtet, da dies den Tragekomfort doch meist negativ beeinflusst. Bei Highend-Modellen hingegen, die für das Klettern in hohen Schwierigkeitsgraden entwickelt wurden, trägt die Fersenspannung einen entscheidenten Teil zur Performance des Schuhes bei. Je höher die Fersenspannung desto mehr wird der Fuss im Schuh nach vorne gepresst. Verfügt der Schuh dann noch über eine hohe Zehenbox (2), die ein Aufstellen der Zehen gut ermöglicht, dann sind die idealen Voraussetzungen gegeben um möglichst viel Kraft auf den Tritt zu bringen. Schuhe mit großer Fersenspannung, starkem Downturn und einer hohen Zehenbox sind somit perfekt zur maximalen Kraftübertragung geeignet, aber eben nicht so bequem. Die wichtige Frage dabei ist: wie viel ist zu viel? Die Antwort liegt in persönlichen Zielen beim Klettern und wird im Abschnitt Passform und Größenwahl genauer beleuchtet.

Jeder Kletterschuh hat darüber hinaus mindestens eine Anziehschlaufen (5). Diese helfen den Fuß in den engen Kletterschuh zu bekommen. Außerdem kann man die Kletterschuhe damit auch bequem am Gurt befestigen.

Auch die Oberseite der Zehenbox wird heute oft gummiert. Diese Gummierung nennt sich Toe-Hook Patch (10) und erleichtert das “hooken” mit den Zehen, beispielweise zur Vermeidung einer “offenen Tür” beim Klettern. Diese Gummierung sorgt für mehr Grip am Fels und schützt gleichzeitig das Obermaterial vor Abrieb. Auch in Rissen kann es beim Klemmen des Fußes unterstützen.

Schliesslich verfügt jeder Kletterschuh über ein Verschlusssystem. Der älteste Verschlussmechanismus (3) ist die Schnürung. Bei der Schnürung unterscheidet man zwischen der traditionellen Lochschnürung, bei der die Schnürsenkel durch die ins Obermaterial gestanzten Löcher laufen und der Schnellschnürung. Bei Letzterer werden extra Ösen auf das Obermaterial gebracht, die für eine geringere Reibung am Schnürsenkel sorgen. Mittlerweile existieren auch Kombinationsschnürungen, welche die Vorteile beider Methoden vereinen. Die so genanten Velcros (11) verschließen den Schuh am Fuß mittels Klettverschluss. Beim Slipper funktioniert das Halten am Fuß dank eines Gummibandes im Ristbereich. Dieser wird beim Anziehen gedehnt und schafft dem Fuß somit Platz für den Einstieg. Neu und beliebt ist die Kombination von Slipper mit einem einzigen Velcro-Verschluss. Die Lösung mit einem Reißverschluss ist sehr selten und hat sich kaum durchgesetzt. Ebenfalls eine Randerscheinung ist die Boa-Schnürung. Diese ist ein Derivat der Schnellschnürung und funktioniert mit einem Rad. Dreht man an diesem Rad wird das fixe Schnürsenkelsystem gespannt und der Kletterschuh so am Fuß fixiert.