Schuhe zum Alpinen Sportklettern

Der wesentliche Unterschied  zwischen alpinem Sportkletterns und dem klassischen alpinen Klettern ist im weiten Sinne der sportklettermäßig anerkannte Begehungsstil, mit dem die Route durchklettert wird. Im engen Sinne kann man unter alpinem Sportklettern aber auch nur diejenigen Routen zusammenfassen, die neben der Rotpunktbegehung auch soliden Fels und gute, fix installierte Sicherungsmittel – üblicherweise Bohrhaken – aufweisen. Im Gegensatz zum Klettern im Klettergarten handelt es sich bei alpinen Sportkletterrouten immer um Mehrseillängenrouten.

Alpines Sportklettern erfordert vom Kletterer zusätzliche alpinistische Kenntnisse, beispielsweise über Wetterkunde, Orientierung, alpine Gefahren und Bergungstechniken. Diese zusätzlichen Anforderungen bewirken, dass bei alpinen Sportkletterrouten der reine Schwierigkeitsgrad an Aussagekraft verliert.

Obwohl beim alpinen Sportklettern – ähnlich wie im Klettergarten -  der Schuh auch in überhängenden Passagen, auf Micro-Tritten und kleinen Leisten sehr guten Grip bieten muss, sollte man nicht vergessen, dass man in einer alpinen Mehrseillänge im Extremfall mehrere Stunden in den Kletterschuhen steckt. Das bedeutet, dass je nach Schwierigkeit und Länge der gewählten Route die Performance eines Schuhs etwas in den Hintergrund tritt und der Fokus mehr und mehr auf den Tragekomfort eines Kletterschuhs fällt.

Allerdings gilt: Beim alpinen Sportklettern wird das im Klettergarten erlernte Können auf die großen Wände übertragen. Alpine Sportkletterrouten sind nicht unbedingt einfacher als Routen des selben Grades im Klettergarten, aber wesentlich länger. Ein Kletterschuh, mit dem man im Klettergarten eine Route im VIII. UIAA-Grad packt, ist insofern ebenso eine gute Wahl für die ähnlich schwere große Wand. Wer schwer klettern will wird etwas leiden müssen, das gilt für die sportliche 20 m-Route genauso, wie für die alpine Mehrseillänge. Je nach Charakter und Schwierigkeit der Route kann sogar ein relativ sensibler, stark asymmetrischer und vorgespannter Schuh die richtige Wahl sein. Wichtig ist aber, dass man einen Schuh benutzt, den man kennt und der lang genug getragen wurde, um optimal an den Fuß angepasst zu sein. Eine alpine Sportkletterroute mit zig Seillängen ist einer der ungünstigsten Plätze, um neue Schuhe einzutragen.

Der Scarpa Feroce bietet beste Performance und hervorragende Unterstützung bei erstaunlich bequemer Passform: Ideal für’s alpine Sportklettern

Noch wichtiger als beim Sportklettern im Klettergarten ist beim alpinen Sportklettern die Interpretation des grundsätzlichen Charakters einer Route. Handelt es sich um geneigte Reibungsplatten, wird einem die stark vorgespannte High-End-Waffe wenig nützen und man sollte auf einen relativ weichen, wenig vorgespannten Kletterschuh zurückgreifen, der die maximale Auflagefläche und die beste Reibung verspricht. Andersherum nützt der weiche Plattenschleicher-Schuh wenig, wenn es sich bei der Route um eine steile Kletterei an Löchern und leisten handelt.

Sollte eine Route nur eine oder wenige technisch anspruchsvolle Seillängen beinhalten und ansonsten leichteres alpines Gelände bieten, kann es sinnvoll sein, mit mehreren verschiedenen Kletterschuh-Paaren in die Wand einzusteigen und diese je nach Bedarf zu wechseln. Die technisch anspruchsvollen Längen werden mit den vorgespannten und asymmetrischen Schuhen geklettert, die maximale Performance bieten während man in den leichteren Längen den härteren, wenig asymmetrischen Komfortschuh tragen kann und so den Fuß deutlich entlastet.

Der Evolv Bandit besitzt kaum Vorspannung, ist wenig asymmetrisch und besitzt eine harte Zwischensohle; genau richtig für lange aber nicht allzu schwierige alpine Klettereien

Wer das zusätzliche Gewicht eines zweiten Kletterschuhpaares nicht durch die Wand tragen möchte, ist mit einem sportlichen Allrounder gut bedient. Ein solcher Schuh sollte sensibel und kantenstabil genug sein, um in den schwierigen Passagen die nötige Unterstützung bieten zu können, aber gleichzeitig auch so bequem sein, dass man nach stundenlanger alpiner Kletterei die Füße noch spürt.

hervorragender Allround-Kompromiss: Der La Sportiva Katana

Da  jeder eine Schmerzgrenze hat, die irgendwann überschritten ist,  gilt beim alpinen Sportklettern immer: Abwägen, gut planen und nur die Ausrüstung verwenden, die sich bereits bewährt hat.