Schuhe zum Alpinklettern

Unter Alpinklettern versteht man das Begehen einer Mehrseillängentour mit dem ursprünglichen Ziel den Gipfel zu erreichen. Während sich klassische alpine Routen fast immer an logischen Linien innerhalb der Wand orientieren, führt der Verlauf von moderen Alpinklettertouren häufig durch den klettertechnisch lohnendsten Bereich der Wand. Beide Varianten weisen allerdings eine Absicherung auf, die meist durch zusätzliche mobile Sicherungsmittel, wie Keile, Friends, Schlingen etc. zu ergänzen ist.

Beim klassischen Alpinklettern stellt die Performance auf Mikrotritten das kleinste Problem dar

Da der Kletterer in der Regel während der kompletten Tour Kletterschuhe trägt, sollte beim Kauf von Alpinkletterschuhen ein besonderer Augenmerk auf eine gute Passform und ein komfortables Tragegefühl gelegt werden. Performance und Präzision eines Schuhs treten demgegenüber deutlich in den Hintergrund. Da die maximalen Schwierigkeiten einer alpinen Route aufgrund der vielen alpinen Einflussfaktoren (wie Wetter, selbst zu legenden Sicherungen, langer, unwegsamer Zustieg oder brüchiges Gestein) häufig weit unter den Schwierigkeiten liegen, die man im Klettergarten zu meistern in der Lage ist, macht die unbequeme High End-Waffe beim Alpinklettern nur bedingt bis gar keinen Sinn.

Der La Sportiva TC Pro ist ein klassischer Schuh für klassische Klettereien

Statt der Endpräzision auf dem Micro-Tritt braucht man beim Alpinklettern über einen langen Zeitraum guten Halt im Kletterschuh. Man ist stundenlang in einer hohen Wand unterwegs und braucht viel Unterstützung für die Füße, um sie vor Ermüdung zu schützen, wodurch der Tragekomfort natürlich an Bedeutung gewinnt.  Denn über Stunden Schmerzen an den Füßen auszuhalten, zermürbt den Kopf und senkt die Leistungsfähigkeit.

Gemütlich wie ein Sneaker und dabei ausreichend präzise: Der Red Chili Sausalito

Ein guter Alpinkletterschuh hat eine steife Sohle, ist wenig asymmetrisch und mit wenig oder gar keine Vorspannung ausgestattet. Er läuft vorne symmetrisch wie eine Pfeilspitze  zusammen, um links wie rechts gleichen Halt in einer Verschneidung  bieten zu können. Eine Vorspannung im Schuh wäre außerdem für Reibungstritte eher ungünstig, da für solche die Ferse niedriger sein muss, als der Vorfuß, um maximale Traktion am flachen, trittlosen Felsen zu erreichen. . In löchrigem Gestein, wie z.B. Kalk, empfiehlt sich darüber hinaus eine lang gezogene Schuhspitze, um den Schuh optimal in den Löchern platzieren zu können.

Der Alpinkletterschuh sollte entweder so gemütlich sein, dass man die Schnürsenkel über Stunden zu lassen kann oder er verfügt über ein Velcro-Verschlusssystem, das es erlaubt, den Schuh am Stand vom Fuß zu nehmen. Ideal sind die gebrauchten, geweiteten und gemütlich gewordenen Sportkletterschuhe oder spezielle bequeme Kletterschuhe für Mehrseillängen-Routen.

Der Boreal Joker Plus: Sehr gemütlich und recht weich, ideal für alpine Reibungsplatten

 

Im Sinne des Tragekomforts sollten Alpinkletterschuhe im Gegensatz zu Schuhen für das Sportklettern oder gar für’s Bouldern, weder zu eng noch zu kurz gewählt werden. Der Schuh sollte komfortabel passen und die Zehen höchstens minimal angewinkelt sein. Gummierungen an der Ferse oder der Zehenbox sind relativ unnütz, da man in klassischen alpinen Routen eher selten zum Hooken kommen wird.

Die Mutter aller Alpinkletterschuhe: Der La Sportiva Mythos