Boulderschuhe

Bevor wir uns der Frage widmen, was ein Schuh für Voraussetzungen erfüllen muss, damit er für’s Bouldern sehr gut geeignet ist, ganz kurz eine Erklärung was unter dem Bouldern überhaupt zu verstehen ist.

Bouldern (engl. boulder „Felsblock“) ist das Klettern ohne Kletterseil und Klettergurt an Felsblöcken, Felswänden oder an künstlichen Kletterwänden in Absprunghöhe. Seit den 1970er Jahren ist das Bouldern eine eigene Disziplin des Sportkletterns und hat vor allem seit den 1990er Jahren eine rasante Entwicklung erlebt. (Quelle: Wikipedia)

Beim Bouldern klettert man meist nicht allzu viele, dafür aber sehr intensive und ziemlich schwere Kletterzüge aneinandergereiht. Das moderne Bouldern zielt darauf ab, ein Bewegungsproblem, schwere, maximalkräftige Einzelzüge oder Trittprobleme in eine möglichst fordernde Reihenfolge zu bringen um so das persönliche Können zu verbessern. Abgesehen von sogenannten High-Boulds – also Boulder die an sehr hohen Felsblöcken stattfinden – kann man dabei die Kletterprobleme unter Ausschluss des “psychologischen Faktors”, also der Angst vor dem Sturz ins Kletterseil, perfekt üben.

Da sich sehr viele Boulder an steilen, überhängenden Blöcken oder Wänden abspielen, wählen Boulderer sehr häufig Kletterschuhe mit einer weichen, sensiblen nach unten gebogenen Sohle. Diese Boulderschuhe verfügen daher über keine oder eine sehr dünne Zwischensohle und auch über eine eher dünner gehaltene Klettersohle, die dafür aber eine kräftige Vorspannung (Downturn) hat. Durch die Sensibilität der Schuhe fühlt man ganz genau was unter den eigenen Zehen passiert und kann somit präzise und dosiert antreten. Die Vorspannung des Boulderschuhes ermöglicht es darüber hinaus mit den Zehen Tritte regelrecht zu “greifen” und durch diesen Zug die Arme für das Weitergreifen zu entlasten.

Ein weiterer Baustein im Anforderungsprofil an einen Boulderschuh ist die Notwendigkeit mit dem Schuh perfekt “hooken” zu können. Dabei werden zwei unterschiedliche Arten von Hooks unterschieden. Zum einen das Hooken mit der Fersenpartie, der sogenannte “Heel Hook”. Dabei setzt man den Schuh um eine Kante oder auf einen höher gelegenen Tritt und bringt dann Druck auf die Fersenpartie. Damit dies effizient funktioniert sollte der Boulderschuh zum einen in der Ferse gut sitzen. Es sollten also keine Hohlräume zwischen Fuß und Fersenkappe des Schuhes sein. Zum anderen muss der Schuh im Fersenbereich über einen hochgezogenen, reibungsstarken Gummi verfügen. Manche Hersteller haben hier im Bereich der Ferse sogar eine Kante in den Schuh eingebaut. Nach unserer persönlichen Einschätzung ist eine solche Kante aber sogar eher kontraproduktiv, da die man die Hooks ja häufig auf Reibung belastet. Durch die Kante wird die am Tritt aufliegende Fläche ja eher kleiner und es entsteht somit weniger Reibung – man rutscht also eher ab. Dies ist aber unsere persönliche Einschätzung. Dem ein oder anderen mag so eine Kante auch sehr hilfreich sein.

Heel Hook (Quelle: www.vertical-vibes.com)

Die zweite Möglichkeit zu hooken ist der Hook mit der Zehenpartie, also der sogenannte “Toe Hook“. Hier werden Felsvorsprünge oder die seitlichen bzw. unteren Flächen von Griffen und Tritten genutzt um sich mit den Zehen darin festzuhaken und hierdurch das Weitergreifen zu erleichtern. Da auch dies wieder eine Reibungsgeschichte ist, sollte der Boulderschuh an der Oberseite der Zehenbox noch über einen Gummibesatz verfügen.

Toe Hook (Quelle: www.vertical-vibes.com)

Zu guter Letzt wollen wir uns noch mit dem Verschlusssystem eines Boulderschuhes befassen. Jeder der schon einmal beim Bouldern war, weiß, dass praktisch nach jedem Boulder die Schuhe ausgezogen werden. Man fachsimpelt ein paar Minuten warum es auch dieses Mal wieder nicht mit dem Durchstieg geklappt hat, gibt sich Tipps für das nächste Mal und dann unternimmt man einen neuen Versuch. Die Schuhe müssen also schnell an und ausgezogen werden können. Hierzu eigenen sich praktisch nur Velcros oder Slipper. Die Klettverschlüsse eines Velcros können sehr schnell geöffnet und wieder verschlossen werden und beim Slipper stellt sich diese Problematik ja ohnehin nicht, da man diese quasi ohne etwas öffnen zu müssen an- oder ausziehen kann.

Der aus unserer Sicht perfekte Boulderschuh ist daher ein Velcro oder ein Slipper mit starker Vorspannung und mittlerer bis starker Asymetrie, der über eine dünne, weiche Sohle verfügt und Gummi-Besätze an Ferse und über den Zehen hat.

Anbei findet ihr noch eine kleine Übersicht an Schuhen die aus unserer Sicht diese Kriterien erfüllen:

La Sportiva Solution

La Sportiva – Python

Rock Pillars – Ozone Slipper

Scarpa – Boostic

Boreal – Kintaro

La Sportiva – Futura